Tollwut (Rabies)

Vorkommen

Die Tollwut ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich rund 55.000 Menschen an Tollwut. Vermutlich ist mit einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, zu rechnen. Deutschland gehört zu den Ländern Europas, in denen durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die Schluckimpfung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren getilgt werden konnte. Der letzte sogennante terrestrische Tollwutfall in Deutschland trat im Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Mainz auf.

Neben Deutschland haben auch die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Tschechische Republik, Griechenland, Spanien, Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder offiziell den Status „tollwutfrei“ (frei von terrestrischer Tollwut).
In Ländern wie Polen, der Slowakei, Ungarn und Estland sind in den letzten Jahren nur noch sporadisch Einzelfälle von Tollwut gemeldet worden.
In allen anderen europäischen Ländern bleibt die Tollwut bei Wild- und Haustieren ebenso ein Problem wie in Afrika, Asien und Südamerika.

Darüberhinaus besteht ein weiteres Tollwutreservoir bei Fledermäusen. Hier wird die Krankheit aber durch andere Viren hervorgerufen. Die Fledermaustollwut ist eine eigenständige Erkrankung, die von der Fuchstollwut oder „klassischen Tollwut" abzugrenzen ist.

Andere Tiere und auch der Mensch sind zwar für die Fledermaustollwutviren empfänglich, Erkrankungen des Menschen und anderer Tiere an Fledermaustollwut sind jedoch äußerst seltene Einzelereignisse. Bislang wurde es nur fünfmal in Europa bei Säugetieren nachgewiesen, davon einmal in Deutschland im Gewebe eines Marders (2001). Ansonsten spielt sich das Krankheitsgeschehen in der Fledermauspopulation ab. Tollwutkranke Fledermäuse liegen zumeist am Boden, wo sie leicht von Katzen und Hunden erbeutet werden können, die sie aber oft nicht fressen. Sie verhalten sich aggressiv, zeigen Schluckbeschwerden und werden meist, bedingt durch Lähmungserscheinungen, flugunfähig. 2015 waren von 12 in Niedersachsen untersuchten Fledermäusen vier Tiere Tollwut-positiv. In 2016 wurden in den niedersächsichen Veterinärinstituten bisher 40 Fledermäuse untersucht, davon waren 14 Tollwut-positiv. (Stand: 31.08.2016)

Erreger und Übertragung

Tollwut wird durch Erreger der Familie der Rhabdoviren verursacht.

Träger des klassischen Tollwutvirus waren in der Vergangenheit in unseren Breiten hauptsächlich wild lebende Tiere (Füchse, Dachse, Marder, Rehe) und bei den Haustieren Weidetiere sowie Hunde und Katzen. In Amerika stellen Stinktiere, Waschbären, Fledermäuse und Füchse die Hauptreservoire der klassischen Tollwut dar.

Nach der Infektion beim Tier kommt es schließlich zur Virusvermehrung im zentralen Nervensystem und von dort zur Erregerstreuung, wobei das Virus massenhaft im Speichel ausgeschieden wird. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel durch einen Biss, ist jedoch auch über Hautverletzungen oder direkten Kontakt des infektiösen Materials (z. B. Speichel) mit der Schleimhaut möglich.

Tollwütige, wildlebende Tiere verlieren nicht selten zu Beginn der Erkrankung ihre Scheu vor den Menschen. Bei diesem Verhalten von sonst scheuen Tieren ist besonders auf Distanz zu achten. Grundsätzlich gilt, dass die Vermeidung von Bisskontakt den besten Schutz vor einer Übertragung darstellt. Dazu gehört natürlich auch, Fledermäuse, die am Tage aufgefunden werden, abnormes Verhalten zeigen oder flugunfähig sind, niemals mit bloßen Händen anzufassen. Nur mit dicken Handschuhen berühren, wenn möglich in eine Schachtel mit Löchern setzen und das Veterinäramt oder einen Fledermausbeauftragter benachrichtigen. Diese wissen, was zu tun ist.

Symptomatik

Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch beträgt in der Regel 3–8 Wochen, selten kürzer als 9 Tage, in Einzelfällen bis zu einem oder sogar mehreren Jahren.

Die Tollwut lässt sich beim Menschen in folgende Stadien einteilen:

Stadium 1

Es bestehen uncharakteristische Beschwerden, z. B. Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber ist nicht immer anzutreffen. Weiterhin werden Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde angegeben.

Stadium 2

Akute neurologische Phase: Kennzeichen sind zunehmende Funktionsausfälle von Nervenzentren und –bahnen. Es kommt zu Krämpfen beim Schlucken, was zu einer erheblichen Angst vor dem Trinken führt, der Speichel fließt aus dem Mund. Hinzu treten ausgedehnte Lähmungserscheinungen.

Der Gemütszustand wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.

Stadium 3

Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal 7 Tage.

Eine Behandlung von Erkrankten mit intensivmedizinischen Maßnahmen verlängert diese Zeit, hat aber weltweit noch keinem Tollwutpatienten das Überleben ermöglicht!

Vorbeugung

Da eine Tollwuterkrankung in jedem Fall zum Tod des betroffenen Patienten führt, müssen präventive Maßnahmen bei potenziell Exponierten besonders wirksam sein und ohne Zeitverzug durchgeführt werden.

Präexpositionelle Maßnahmen

Bei Reisenden mit einem entsprechenden Expositionsrisiko (z. B. bei Trekkingtouren) in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung (z. B. durch streunende Hunde) sollte unbedingt rechtzeitig vor Reiseantritt ein Tollwutschutz durch drei Impfungen (Tag 0, 7, 21 bzw. 28) hergestellt werden.

Postexpositionelle Maßnahmen

Im Falle einer möglichen Ansteckung sollte die kontaminierte Wunde sofort und ausgiebig mit Wasser und Seifenlösung gereinigt werden („Auswaschen des Erregers“). Tiefe Bisswunden können vorsichtig mittels Kathetern gespült werden. Verätzung und Nähen der Wunde sollten nicht erfolgen.

Außerdem erfolgt die gleichzeitige Gabe von Tollwut-Immunglobulin zur passiven Immunisierung und Tollwut-Impfstoff zur aktiven Immunisierung. Rechtzeitig verabreicht, liegt die Schutzrate nach einer aktiven Immunisierung bei peripheren Verletzungen bei 100%. Neben der aktiven und passiven Immunisierung gegen Tollwut ist auch an die Tetanusprophylaxe zu denken.

Fledermäuse stellen ein Reservoir für die meisten Tollwut-Viren dar. Aufgrund der geringen Überwachungsintensität kann das Vorkommen von Fledermaus-Tollwut in ganz Deutschland nirgendwo ausgeschlossen werden. Demzufolge ist grundsätzlich eine postexpositionelle Prophylaxe (= Impfung) bei Kontakt zu Fledermäusen durchzuführen, ohne Zeit mit abwarten zu verlieren!

Quellen: Robert-Koch-Institut, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz

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