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Malariaprophylaxe

Malaria ist eine der wichtigsten parasitären Infektionskrankheiten weltweit. Über ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in den tropischen und subtropischen Gebieten, in denen Malaria endemisch oder epidemisch vorkommt. Aktuelle Verbreitungsgebiete können den orientierenden Karten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entnommen werden. In etwa 100 Ländern ist die Krankheit laut WHO weiterhin endemisch verbreitet (s. Malariakarte), genauso viele sind aktuell als malariafrei zertifiziert. 40 Prozent der Weltbevölkerung sind potentiell von Malaria betroffen, die meisten Todesfälle gibt es bei weniger als fünf Jahre alten Kindern im südlichen Afrika. Auf dem Kontinent stirbt alle 45 Sekunden ein Kind an der Tropenkrankheit. Schätzungen der WHO gehen von über 200 Mio. Malariafällen und über 400.000 Todesfällen im Jahr 2018 aus, davon 95% in Afrika.
In Deutschland werden jährlich ca. 500 – 1 000 Importfälle gemeldet.

Erreger und Übertragung

Erreger der Malaria sind Protozoen der Gattung Plasmodium. Die lebensbedrohliche Malaria tropica wird durch Plasmodium falciparum verursacht, Erreger der Malaria tertiana sind Plasmodium vivax und Plasmodium ovale, Plasmodium mala riae verursacht Malaria quartana.

Die Übertragung erfolgt in der Regel durch den Stich weiblicher Stechmücken der Gattung Anopheles. Übertragungen durch parasitenhaltiges Blut, z.B. bei Blutübertragungen, Organverpflanzungen, Gebrauch erregerhaltiger Nadeln oder unter der Geburt auf das Kind, sind ebenfalls möglich.

Symptomatik

Die Inkubationszeit ist variabel und beträgt mindestens 6 Tage. Die Übergänge von Infektion zur Erregerausschwemmung in die Blutbahn und weiter zu unkomplizierter oder schwerer bzw. komplizierter Malaria und schließlich Sterblichkeit hängen von der Virulenz des Erregers oder einzelner Stämme, erworbener Immunität und angeborenen Faktoren sowie vom Zugang zu medizinischer Versorgung, Medikamentenresistenz der Erreger und Präventionsmaßnahmen ab.

Fieber, meist begleitet von Schüttelfrost während des Temperaturanstiegs und Schweißausbrüchen bei Temperaturabfall, ist das Leitsymptom der Erkrankung. Während regelmäßige, in 2- bzw. 3-tägigen Abständen wiederkehrende Fieberschübe relativ typisch für Malaria tertiana und quartana sind, ist der Fieberverlauf gerade bei der gefährlichen Malaria tropica sehr variabel; auch ein Dauerfieber oder völlig unregelmäßiges Fieber sind möglich. Zudem können zahlreiche weitere Symptome und Befunde vorliegen. Malaria tertiana und quartana verlaufen meist ohne Komplikationen und sind nur selten lebensbedrohlich.

Demgegenüber ist die Malaria tropica eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung. Die Sterblichkeit der Malaria tropica bei nichtimmunen Personen liegt bei = 20%.

Bei Malaria tertiana können im Gegensatz zur Malaria tropica auch noch Jahre nach der eigentlichen Infektion wiedeholte Krankheitschübe auftreten.

Diagnostik

Bei jedem Patienten mit Fieber unabhängig vom Fiebertyp und unabhängig von Begleitsymptomen während oder nach Aufenthalt in Malariaendemiegebieten (ab 6. Tag des erstmaligen Aufenthalts) muss an Malaria gedacht werden, bei wiederholtem Fieber oder Fieber unklarer Ursache nach Aufenthalt in Malariaendemiegebieten auch bis mehrere Jahre vor Erkrankungsbeginn.

Zusätzlich kann Malaria auch außerhalb dieser Gebiete erworben werden (z.B. Flughafenmalaria, Blutübertragungsmalaria).
Bei Malariaverdacht muss schnellstmöglich eine parasitologische Blutuntersuchung erfolgen!!!

Therapie

Die Therapieempfehlungen, insbesondere zur Auswahl der Medikamente, haben sich u.a. wegen Auftretens und Ausbreitung von Resistenzen, Bekanntwerden von Nebenwirkungen und Einführung neuer Medikamente in der Vergangenheit immer wieder geändert. Sie richten sich in der Regel nach den aktuellen Empfehlungen zur Malariatherapie in Deutschland der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin.

Malaria tertiana und Malaria quartana

Die Therapie kann meist ambulant erfolgen.

Unkomplizierte Malaria tropica

Patienten sollten stationär aufgenommen werden. Da auch nach Beginn einer antiparasitären Chemotherapie rasch bedrohliche Komplikationen entstehen können, ist zumindest anfangs eine kontinuierliche Überwachung empfehlenswert.

Komplizierte Malaria tropica

Patienten mit komplizierter Malaria tropica sollten auf einer Intensivstation behandelt werden. Entscheidend sind der sofortige Behandlungsbeginn sowie unterstützende intensivmedizinische Maßnahmen.

Vorbeugung

Individuelle Präventionsmaßnahmen basieren auf der Expositionsprophylaxe durch Meiden von Endemiegebieten und Schutz vor Insektenstichen in Endemiegebieten, z.B. durch geeignete Kleidung, Moskitonetze (beides auch imprägniert), Insektizide in Wohnräumen, Anwendung von Repellents. Zusätzlich kann eine Chemoprophylaxe durch Einnahme bestimmter Medikamente erfolgen. Bisher stehen keine Impfstoffe zur Verfügung.

Ein Pilotprojekt in Afrika mit einem Malaria-Impfstoff läuft nach Angaben der Weltgesundheits-organisation vielversprechend. In Ghana, Kenia und Malawi sind nach WHO-Angaben seit 2019 mehr als 650.000 Kinder mit dem Präparat RTS,S geimpft worden. In einer früheren Studie habe die Impfung die Zahl der Infektionen nach ersten Ergebnissen um 39 Prozent gesenkt. Der Impfstoff muss allerdings vier Mal verabreicht werden.

Seit Jahren hofft man auf einen Impfstoff gegen Malaria – doch noch gibt es keine zugelassene Vakzine. RTS,S ist der Impfstoff-Kandidat, bei dem der Prozess bisher am weitesten vorangeschritten ist. Er hat bereits eine positive Einschätzung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) erhalten.

Die Erkrankung an einer Malaria für Geschäftsreisende oder Touristen ist angesichts der heutigen Möglichkeiten überflüssig und durch gezielte Vorbereitung verhinderbar.

Vereinbaren Sie einen Termin für unsere reisemedizinische Sprechstunde unter 04461/74300. Zur Vorbereitung hierauf können Sie sich unseren allgemeinen Fragebogen herunterladen.