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Denguefieber

Dengue-Fieber kommt in mehr als 100 tropischen und subtropischen Ländern außerhalb Europas endemisch vor und ist mittlerweile die häufigste fieberhafte Virusinfektion, die von Fernreisen mitgebracht wird. In Deutschland werden inzwischen jährlich (2019) über 1.000 Dengue-Erkrankungen von Reiserückkehrern gemeldet. Epidemien von sog. Dengue Hämorrhagischem Fieber (DHF) sind vor allem in Südostasien immer wieder zu beobachten und lassen dort vor allem Kinder in großer Anzahl erkranken und auch versterben. Weltweit erkranken nach Angabe der WHO zurzeit jährlich zwischen 100 und 400 Millionen (!) Menschen am Dengue-Fieber. 
Typische Infektionsländer sind Thailand, Indien, Indonesien, Sri Lanka, Brasilien, wo es in den vergangenen Jahren zu wiederholten Epidemien kam. Das Dengue-Risiko ist in den Endemiegebieten saisonal unterschiedlich, während der Regenzeit ist es erhöht.

Es existieren vier verschiedene Serotypen des Dengue-Virus. Nach durchgemachter Infektion mit einem bestimmten Serotyp wird zwar eine vermutlich lebenslange Immunität für den infizierenden Serotyp erreicht. Allerdings besteht keine vollständige Kreuzimmunität für die anderen Serotypen, sodass eine Person im Laufe ihres Lebens maximal bis zu viermal am Dengue-Fieber erkranken kann.

Überträger des Dengue-Virus sind die auffällig schwarz-weiß gemusterten Tigermücken der Gattung Aedes.

Nach einer Inkubationszeit von 3-14 Tagen kommt es zum Auftreten von grippeartigen Beschwerden mit plötzlicher Fieberanstieg bis 40ºC, Schüttel-frost, starken Kopf-, Muskel- und Gelenkbeschwerden. Nach 48-96 Stunden hohen Fiebers kommt es oft zu einer vorübergehenden Entfieberung, auf die nach ein bis zwei Tagen ein erneuter Fieberanstieg mit gleichzeitigem Erscheinen eines Hautausschlags am gesamten Körper (außer Gesicht) folgt. Bei den meisten Betroffenen dauert es Wochen, bis sie sich körperlich wieder erholt haben.

Das sogenannte „Dengue Hämorrhagisches Fieber (DHF)“ bzw. „Dengue Schocksyndrom“ tritt vor allem bei Kindern unter 15 Jahren und nach Zweitinfektion auf. Hier sind ein schneller Fieberanstieg, Kopfschmerzen, Erbrechen und Luftnot kennzeichnend. 2–6 Tage nach Krankheitsbeginn beginnt die Schocksymptomatik mit Blutungsneigung (Haut, Nasenbluten, Magen-Darmblutungen, Hirnblutungen) Die Sterblichkeit dieser schweren Verlaufsformen liegt zwischen 6% und 30%.

Da es keine spezifischen Medikamente gegen das Virus gibt, bleiben nur symptomatische Maßnahmen (Fiebersenkung, Schmerzstillung, Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich). Wegen verstärkter Blutungsneigung sollte man auf keinen Fall Acetylsalicylsäure [ASS, Aspirin®] sondern z. B. Paracetamol einsetzen.

Ende 2015 wurde mit dem Lebend-Impfstoff DENGVAXIA® die erste Schutzimpfung gegen den Erreger des Dengue-Fiebers zugelassen. Sie ist allerdings nur für Menschen zwischen 9 und  45 Jahren bestimmt, die in der Vergangenheit bereits mit dem Dengue-Virus infiziert waren und in Dengue-Endemiegebieten leben. 

Seit Dezember 2022 ist nun mit QDENGA® ein weiterer, tetravalenter Lebendimpfstoff gegen Dengue-Fieber in der EU für Personen ab vier Jahren zugelassen. Dieser Impfstoff ist seit Mitte Februar 2023 auch in Deutschland verfügbar. Der Impfstoff besteht aus einem abgeschwächten Dengue-Serotyp-2-Grundgerüst.

Die Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffes wurde in einem umfangreichen klinischen Studienprogramm mit mehr als 28.000 Kindern und Erwachsenen untersucht. Insgesamt zeigte sich eine gute Wirksamkeit: In der zulassungsrelevanten TIDES-Studie mit mehr als 20.000 Kindern zeigte sich unabhängig vom Serostatus der Personen nach vollständiger, zweimaliger Impfung im Abstand von drei Monaten innerhalb des ersten Jahres eine Wirksamkeit von 80 % zur Verhinderung von Dengue-Fieber. Zudem wurden 90 % der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Dengue-Fieber bis zu 18 Monate nach vollständiger Impfung verhindert. Dabei zeigte sich allerdings eine je nach Serotyp sehr unterschiedliche Wirksamkeit, die für Serotyp 3 am geringsten und für Serotyp 4 aufgrund niedriger Fallzahlen nicht nachweisbar war. Zudem blieb im Verlauf der Nachbeobachtungszeit von bis zu 54 Monaten eine Gesamtwirksamkeit von 61 % und eine Wirksamkeit gegen Hospitalisierung von 84 % erhalten.

Der Impfstoff erwies sich zudem als allgemein gut verträglich. Die am häufigsten gemeldeten unerwünschten Nebenwirkungen waren Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und allgemeines Unwohlsein. QDENGA® muss nur zweimal verabreicht werden, wobei die zweite Dosis bereits nach drei Monaten gegeben wird.

Trotz der Impfmöglichkeit bleibt der konsequente Schutz vor Mückenstichen eine unverzichtbare Maßnahme: Unbedeckte Hautstellen mit einem Insekten abwehrenden Mittel, das entweder Diethyl-m-Toluamid (DEET, mind. 30%) oder Icardin (mind. 20%) enthält, einreiben; dabei besonders für Kleinkinder die Gebrauchsinformation des Herstellers beachten.

Vereinbaren Sie einen Termin für unsere reisemedizinische Sprechstunde unter 04461/74300. Zur Vorbereitung hierauf laden Sie sich bitte unseren allgemeinen reisemedizinischen Fragebogen und den Aufklärungsbogen der DTG für QDENGA® herunter. 

Gelbfieber

Bei Gelbfieber handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die von Mücken (Ägyptische Tigermücke) übertragen wird und durch das sogenannte Gelbfiebervirus verursacht wird. Das Virus kommt nur im tropischen Afrika und in Südamerika vor.

Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Es tritt sowohl in ländlichen Gebieten (Dschungelfieber), also auch in Ballungsräumen (Stadtfieber) auf. Weltweit werden jährlich rund 200.000 Gelbfieberfälle registriert. Ohne Therapie endet die Infektion oft nach einer Woche tödlich.

Die typischen Anzeichen von Gelbfieber sind - wie der Name sagt - hohes Fieber mit Gelbfärbung der Haut. Das gefährliche an Gelbfieber ist die erhöhte Blutungsneigung mit inneren und äußeren Blutungen.

Das Gelbfieber-Virus lässt sich nicht bekämpfen. Man kann nur versuchen, die Beschwerden unter Kontrolle zu bringen. Deshalb ist die Impfung wichtig, wenn man in Gelbfieber-Gebiete reist. Einige Länder fordern einen Impfnachweis bei der Einreise. Das gilt vor allem für Ländern, in denen das Gelbfieber auftritt.

Ist die Impfung aus medizinischen Gründen nicht möglich, können Sie sich im Impfpass eine Impfbefreiung bescheinigen lassen. Allerdings sind Länder, in denen eine Gelbfieberimpfung für die Einreise vorgeschrieben ist, nicht verpflichtet das Dokument anzuerkennen. Die Impfung ist auch für Kinder ab dem 6. Lebensmonat möglich. Verwendet wird ein Lebendimpfstoff mit dem Handelsnamen Stamaril®, der lebende, aber abgeschwächte Gelbfieber-Viren enthält, welche die Krankheit nicht mehr auslösen können. Eine einmalige Impfung genügt für einen ausreichenden Impfschutz, derr nach zehn Tagen einsetzt. Die WHO hat 2014 entschieden, dass nach einmaliger Gelbfieber-Impfung von einem lebenslangen Schutz auszugehen ist. Die bisherige Regelung, dass eine Gelbfieber-Impfbescheinigung nur 10 Jahre gültig ist und die Impfung danach zu wiederholen ist, entfällt somit. Für die Umsetzung dieser Änderung hatten die Mitgliedsstaaten der WHO bis Juli 2016 Zeit, so dass bis dahin einzelne Länder weiterhin den Nachweis einer höchstens 10 Jahre zurückliegenden Impfung verlangen konnten.

Die Gelbfieberimpfung darf nicht von jedem Arzt, sondern nur von staatlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen durchgeführt werden. Seit 2006 ist unsere Praxis eine solche anerkannte Gelbfieberimpfstelle, die Ermächtigung ist personenbezogen und gilt für Dr. Markus Ennen.

Vereinbaren Sie einen Termin für unsere reisemedizinische Sprechstunde unter 04461/74300. Zur Vorbereitung hierauf laden Sie sich bitte unseren allgemeinen reisemedizinischen Fragebogen und den  Aufklärungsbogen Gelbfieberimpfung der Dt. Gesellschaft für Tropenmedizin herunter.

 

Hepatitis A

Die Hepatitis A ist eine durch das Hepatitis-A-Virus (HAV) verursachte Infektionskrankheit. Hauptsymptom ist eine akute Entzündung der Leber (Hepatitis).

Das HAV kommt in Südostasien, Russland, im vorderen Orient, im gesamten Mittelmeerraum (!), in Afrika, Mittel- und Südamerika vor und wird häufig von Reisen aus diesen Ländern mitgebracht. Die Übertragung erfolgt über verunreinigte Nahrung und Trinkwasser, besonders häufig über Muscheln, Austern, Krebstiere und unzureichend gewaschene Salatzubereitungen.

Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 und 6 Wochen. Die Erkrankung beginnt mit Grippegefühl, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach einigen Tagen wird in den meisten Fällen der Urin dunkel und der Stuhl hell, schließlich entwickelt sich eine Gelbfärbung der Haut. Der weitere Verlauf ist unterschiedlich, oft leicht, besonders bei Kindern. Gelegentlich kommt es bei Erwachsenen zu schwereren und länger anhaltenden Krankheitsbildern (bis zu einigen Monaten). Dauerschäden treten nicht auf.

Die Diagnose wird über den Antikörpernachweis im Blut gestellt, das Virus kann auch direkt nachgewiesen werden.

Eine spezifische Therapie gegen die Hepatitis A existiert nicht. Symptomatische Maßnahmen bestehen in Bettruhe und Behandlung der Allgemeinsymptome (Erbrechen, grippeähnliche Symptome). Den effektivsten Schutz bietet die Impfung. Bereits kurz nach der ersten Impfung besteht ein wirksamer Schutz, so dass auch noch last-minute-Reisende in jeden Fall profitieren. Eine zweite Impfung im Abstand von mindestens 6, maximal 24 Monaten nach der Erstimpfung bietet dann für über 20 Jahre Ansteckungssicherheit.

Bei vor 1950 geborenen Personen ist es sinnvoll, zunächst das Blut untersuchen zu lassen, um festzustellen, ob nicht bereits ein Schutz gegen Hepatitis A besteht. Dann erübrigt sich eine Impfung.

 

Hepatitis B

Die Hepatitis B ist eine Infektionskrankheit der Leber mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV), die häufig akut (90 %), gelegentlich auch chronisch verläuft. Mit etwa 350 Millionen Menschen, in deren Blut das Virus nachweisbar ist und bei denen somit das Virus dauerhaft als Infektionsquelle präsent ist, ist die Hepatitis B weltweit eine der häufigsten Virusinfektionen. Auf Basis der chronischen Leberent-zündung kann eine Leberzirrhose sowie ein Leberzellkarzinom entstehen. Das HBV kommt weltweit vor. Es ist endemisch in China, Südostasien, dem Nahen und

Mittleren Osten, der Türkei und in großen Teilen Afrikas.

Die Übertragung erfolgt über das Blut und andere Körperflüssigkeiten von Erkrankten und Virusträgern (in Mitteleuropa 0,1 - 0,5 %, in einzelnen tropischen Ländern über 20 % der Bevölkerung) durch entsprechende Kontakte: Bluttransfusionen, unsterile Spritzen, Nadeln und Instrumente (z.B. bei unqualifizierten medizinischen Eingriffen, Tätowierungen, Spritzentausch von Drogenabhängigen) sowie beim Geschlechtsverkehr.

Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 Wochen und 6 Monaten. Oft beginnt die Krankheit mit einem allgemeinen Krankheitsgefühl, Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Nach einigen Tagen wird der Urin dunkel, der Stuhl hell, es kommt zur Gelbfärbung der Haut. Das akute Stadium kann aber auch fehlen.

In ca. 10 % der Fälle geht die Krankheit in einen chronischen Verlauf über, es entwickelt sich eine Leberzirrhose und in vielen Fällen ein Leberkrebs.

Die Diagnose wird über den Antikörpernachweis im Blut gestellt, das Virus kann auch direkt nachgewiesen werden.

Die Therapie einer chronischen Hepatitis B ist schwierig, daher ist die vorbeugende Impfung die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung der Infektion und Verminderung der Virusträgerzahl.

Den effektivsten Schutz bietet die Impfung. Nach der ersten beiden Impfungen im Mindestabstand von 4 Wochen besteht ein wirksamer Schutz. Eine dritte Impfung im Abstand von mindestens 6 bis 12 Monaten bietet dann in der Regel für über 10 Jahre Ansteckungssicherheit.

Japanische Enzephalitis

Bei der Japanischen Enzephalitis (JE) handelt es sich um eine Krankheit, die von Mücken übertragen wird und durch das Jap.-Enzephalitis-Virus (JEV) verursacht wird.

Die JE tritt in insbesondere in den ländlichen Gebieten vieler südost- und ostasiatischer Länder auf. Die dort vor allem in den feuchten Reisfeldern brütenden nachtaktiven Culex-Mücken übertragen den Erreger auf den Menschen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation werden weltweit jedes Jahr um die 40.000 Erkrankungen gemeldet. Die Infektion verläuft in den allermeisten Fällen ohne oder allenfalls mit milden Symptomen. Bei Patienten allerdings, die eine Entzündung ihres Gehirns oder der Hirnhäute entwickeln, ist die Sterberate sehr hoch.

Meist sind dann Kinder und Menschen über 50 Jahre betroffen. Bei den Überlebenden dieser schweren Verlaufsform kommt es sehr häufig zu bleibenden Schädigungen.

Eine gezielte Therapie der JE ist mangels wirksamer Medikamente gegen das eigentliche Virus bislang nicht möglich. Deshalb sollte in den ländlichen Risikogebieten Asiens sorgfältig auf einen wirksamen Schutz gegen Mückenstichen, vor allem nachts, geachtet werden.

Für Reisende mit Übernachtungs-Aufenthalten von über zwei Wochen in ländlichen Endemiegebieten wird von der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin eine Impfung gegen JE angeraten.

Seit 2009 ist nun auch ein in Deutschland bislang nur für Erwachsene zugelassener Totimpfstoff unter dem Namen Ixiaro® erhältlich. Hiervon werden im Abstand von 28 Tagen zwei Dosen intramuskulär verabreicht. Aktuell wird eine Boosterimpfung nach 12-24 Monaten empfohlen. Für eine verlässliche Aussage über die Dauer der Schutzwirkung ist es bislang noch zu früh, zurzeit gelten drei Jahre als gesichert. Eine Zulassung des Impfstoffes für Kinder und Jugendliche wird erwartet.

Die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis wird auch in unserer Praxis durchgeführt. Zur Klärung der Frage, ob eine solche Impfung bei der von Ihnen geplanten Reise indiziert ist, vereinbaren Sie bitte einen Termin in unserer reisemedizinischen Sprechstunde (Anmeldung unter (04461) 74300 oder Anfrage via Kontaktformular auf der Praxis-Homepage).

Vereinbaren Sie einen Termin für unsere reisemedizinische Sprechstunde unter 04461/74300. Zur Vorbereitung hierauf laden Sie sich bitte unseren allgemeinen reisemedizinischen Fragebogen herunter.

Tollwut (Rabies)

Vorkommen

Die Tollwut ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich rund 55.000 Menschen an Tollwut. Vermutlich ist mit einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, zu rechnen. Deutschland gehört zu den Ländern Europas, in denen durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die Schluckimpfung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren getilgt werden konnte. Der letzte sogennante terrestrische Tollwutfall in Deutschland trat im Februar 2006 bei einem Fuchs in der Nähe von Mainz auf.

Neben Deutschland haben auch die Schweiz, Finnland, die Niederlande, Italien, Luxemburg, Frankreich, Belgien, die Tschechische Republik, Griechenland, Spanien, Portugal, Großbritannien, Irland und die skandinavischen Länder offiziell den Status „tollwutfrei“ (frei von terrestrischer Tollwut).
In Ländern wie Polen, der Slowakei, Ungarn und Estland sind in den letzten Jahren nur noch sporadisch Einzelfälle von Tollwut gemeldet worden.
In allen anderen europäischen Ländern bleibt die Tollwut bei Wild- und Haustieren ebenso ein Problem wie in Afrika, Asien und Südamerika.

Darüberhinaus besteht ein weiteres Tollwutreservoir bei Fledermäusen. Hier wird die Krankheit aber durch andere Viren hervorgerufen. Die Fledermaustollwut ist eine eigenständige Erkrankung, die von der Fuchstollwut oder „klassischen Tollwut" abzugrenzen ist.

Andere Tiere und auch der Mensch sind zwar für die Fledermaustollwutviren empfänglich, Erkrankungen des Menschen und anderer Tiere an Fledermaustollwut sind jedoch äußerst seltene Einzelereignisse. Bislang wurde es nur fünfmal in Europa bei Säugetieren nachgewiesen, davon einmal in Deutschland im Gewebe eines Marders (2001). Ansonsten spielt sich das Krankheitsgeschehen in der Fledermauspopulation ab. Tollwutkranke Fledermäuse liegen zumeist am Boden, wo sie leicht von Katzen und Hunden erbeutet werden können, die sie aber oft nicht fressen. Sie verhalten sich aggressiv, zeigen Schluckbeschwerden und werden meist, bedingt durch Lähmungserscheinungen, flugunfähig. 

Laut dem für Tierkrankheiten zuständigen Friedrich-Löffler-Institut (FLI) wurden in den letzten 30 Jahren deutschlandweit bei gut 200 Tieren Fledermaustollwut festgestellt. Dabei gibt es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Rund 90 Prozent der Nachweise stammen aus der norddeutschen Tiefebene, also von Schleswig-Holstein und Niedersachen bis Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg.

Erreger und Übertragung

Tollwut wird durch Erreger der Familie der Rhabdoviren verursacht.

Träger des klassischen Tollwutvirus waren in der Vergangenheit in unseren Breiten hauptsächlich wild lebende Tiere (Füchse, Dachse, Marder, Rehe) und bei den Haustieren Weidetiere sowie Hunde und Katzen. In Amerika stellen Stinktiere, Waschbären, Fledermäuse und Füchse die Hauptreservoire der klassischen Tollwut dar.

Nach der Infektion beim Tier kommt es schließlich zur Virusvermehrung im zentralen Nervensystem und von dort zur Erregerstreuung, wobei das Virus massenhaft im Speichel ausgeschieden wird. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel durch einen Biss, ist jedoch auch über Hautverletzungen oder direkten Kontakt des infektiösen Materials (z. B. Speichel) mit der Schleimhaut möglich.

Tollwütige, wildlebende Tiere verlieren nicht selten zu Beginn der Erkrankung ihre Scheu vor den Menschen. Bei diesem Verhalten von sonst scheuen Tieren ist besonders auf Distanz zu achten. Grundsätzlich gilt, dass die Vermeidung von Bisskontakt den besten Schutz vor einer Übertragung darstellt. Dazu gehört natürlich auch, Fledermäuse, die am Tage aufgefunden werden, abnormes Verhalten zeigen oder flugunfähig sind, niemals mit bloßen Händen anzufassen. Nur mit dicken Handschuhen berühren, wenn möglich in eine Schachtel mit Löchern setzen und das Veterinäramt oder einen Fledermausbeauftragter benachrichtigen. Diese wissen, was zu tun ist.

Symptomatik

Die Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch beträgt in der Regel 3–8 Wochen, selten kürzer als 9 Tage, in Einzelfällen bis zu einem oder sogar mehreren Jahren.

Die Tollwut lässt sich beim Menschen in folgende Stadien einteilen:

Stadium 1

Es bestehen uncharakteristische Beschwerden, z. B. Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber ist nicht immer anzutreffen. Weiterhin werden Brennen, Jucken und vermehrte Schmerzempfindlichkeit im Bereich der Bisswunde angegeben.

Stadium 2

Akute neurologische Phase: Kennzeichen sind zunehmende Funktionsausfälle von Nervenzentren und –bahnen. Es kommt zu Krämpfen beim Schlucken, was zu einer erheblichen Angst vor dem Trinken führt, der Speichel fließt aus dem Mund. Hinzu treten ausgedehnte Lähmungserscheinungen.

Der Gemütszustand wechselt zwischen aggressiver und depressiver Verstimmung.

Stadium 3

Der Tod tritt in der Regel im Koma und unter den Zeichen der Atemlähmung ein. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod liegen bei unbehandelten Patienten maximal 7 Tage.

Eine Behandlung von Erkrankten mit intensivmedizinischen Maßnahmen verlängert diese Zeit, hat aber weltweit noch keinem Tollwutpatienten das Überleben ermöglicht!

Vorbeugung

Da eine Tollwuterkrankung in jedem Fall zum Tod des betroffenen Patienten führt, müssen präventive Maßnahmen bei potenziell Exponierten besonders wirksam sein und ohne Zeitverzug durchgeführt werden.

Präexpositionelle Maßnahmen

Bei Reisenden mit einem entsprechenden Expositionsrisiko (z. B. bei Trekkingtouren) in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung (z. B. durch streunende Hunde) sollte unbedingt rechtzeitig vor Reiseantritt ein Tollwutschutz durch drei Impfungen (Tag 0, 7, 21 bzw. 28) hergestellt werden.

Vor einigen Jahren hat die WHO nach Auswertung von Antikörperuntersuchungen festgestellt, dass auch eine zweimalige präexpositionelle Impfung (Tag 0 und 7) als Grundschutz ausreichend ist. Daher ist es in unserer Praxis möglich, abweichend vom offiziellen Zulassungsstand in Deutschland, auf Wunsch von Patient*innen auch nach diesem Schema zu impfen. Die dazu erforderliche Impfaufklärung finden sie hier.

Postexpositionelle Maßnahmen

Im Falle einer möglichen Ansteckung sollte die kontaminierte Wunde sofort und ausgiebig mit Wasser und Seifenlösung gereinigt werden („Auswaschen des Erregers“). Tiefe Bisswunden können vorsichtig mittels Kathetern gespült werden. Verätzung und Nähen der Wunde sollten nicht erfolgen.

Außerdem erfolgt die gleichzeitige Gabe von Tollwut-Immunglobulin zur passiven Immunisierung und Tollwut-Impfstoff zur aktiven Immunisierung. Rechtzeitig verabreicht, liegt die Schutzrate nach einer aktiven Immunisierung bei peripheren Verletzungen bei 100%. Neben der aktiven und passiven Immunisierung gegen Tollwut ist auch an die Tetanusprophylaxe zu denken.

Fledermäuse stellen ein Reservoir für die meisten Tollwut-Viren dar. Aufgrund der geringen Überwachungsintensität kann das Vorkommen von Fledermaus-Tollwut in ganz Deutschland nirgendwo ausgeschlossen werden. Demzufolge ist grundsätzlich eine postexpositionelle Prophylaxe (= Impfung) bei Kontakt zu Fledermäusen durchzuführen, ohne Zeit mit abwarten zu verlieren!

Quellen: Robert-Koch-Institut, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz, NABU
 

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Typhus und Paratyphus

Der Typhus (Typhus abdominalis) wird durch Bakterien (sog. Salmonellen) verursacht.

Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 (3) Wochen entwickelt sich zunächst hohes Fieber mit schwerem Krankheitsgefühl und Verstopfung. Im weiteren Verlauf können u.a. erbsbreiartige Durchfälle, Hautrötungen (sog. Roseolen) und eine Schwellung von Leber und Milz auftreten. Komplikationen wie Darmdurchbruch und Bauchfellent-zündung können tödlich verlaufen. Weitere Komplikationen sind Hirnhaut-, Lungen-, Herz- und Knochen-Entzündungen.

Der Paratyphus zeigt ein ähnliches Krankheitsbild in meist abgeschwächter Form.

Die Typhusbakterien werden während und nach der Erkrankung von den Infizierten durch den Stuhl ausgeschieden. Bei Verdacht auf Typhus sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose ist aus dem Blut, später aus dem Stuhl zu sichern.

Die Erreger der Typhuserkrankungen sind weltweit verbreitet. Die jährliche Gesamtzahl des Typhus abdominalis wird auf ungefähr 17 Millionen Erkrankungen und 600.000 Todesfälle geschätzt. Vor allem aus Ländern mit mangelhaften hygienischen und sanitären Verhältnissen werden gehäuft und wiederholt Typhuserkrankungen gemeldet. Nach Deutschland werden rund 80 - 90 % aller Typhus- und Paratyphusfälle aus Reiseregionen mit unzureichendem Hygienestandard importiert, u.a. aus Pakistan, Indien, Thailand, Indonesien, Ägypten, Türkei und Marokko. Laut Schätzungen importiert einer von 30.000 Fernreisenden einen Typhus abdominalis.

Übertragung

Die Erreger werden auf fäkal-oralen Weg über verunreinigte Nahrungsmittel (v.a. ungewaschene Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch) als auch und vor allem durch Trinkwasser bei unzureichenden hygienischen Verhältnissen aufgenommen. Ebenfalls kann es durch den direkten Kontakt mit Dauerausscheidern oder Erkrankten zur Ansteckung kommen. Der direkte Übertragungsweg von Mensch-zu-Mensch ist jedoch nur von untergeordneter Rolle und spielt insbesondere bei unzureichend eingehaltenen hygienisch-sanitären Massnahmen eine Rolle.

Schutz

Sorgfältige persönliche Hygienemaßnahmen, die strikte Achtung auf einwandfreies Trinkwasser sowie eine optimale Vor- und Zubreitung verzehrter Lebensmittel („peel it, cook it oder forget it“) sind der beste Schutz vor einer Ansteckung.

Eine präventive Typhus-Schutzimpfung ist insbesondere bei Reisen in die Risikogebiete Asiens und Nordafrikas, speziell unter einfachen Reiseverhältnissen (z.B. Trekkingtouren) als auch für Katastrophenregionen mit regionalen Ausbrüchen empfohlen, zumal es eine stark steigende Resistenzproblematik gibt, die dazu führt, dass vor allem in Süd-Ost-Asien antbiotische Therapien zunehmend versagen.

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